Fresken des Heiligen Christophorus

Liebe Leserin und lieber Leser,

wenn Sie in die Reinhäuser Kirche kommen, fällt Ihr Blick auf das Bild des Heiligen Christophorus:


Ein Blick am Morgen auf das Bild gibt laut Legende Mut und Vertrauen für den Tag. Ein fachmännischer  Blick zeigt aber etwas anderes: verblasste Farben, abgeblätterter Putz, Verschmutzung und  Pilzbefall,  so wie bei den anderen Fresken in der Kirche auch. Eine Restauratorin erhielt daher den Auftrag, die Schäden zu ermitteln. Das Angebot dafür liegt vor und beträgt 3.549,53 €. Die Ev. Landeskirche Hannover hat eine Förderung in Höhe von 1.800,-€ zugesagt und der Kirch-Bauverein 1.749,53 €  dank Mitgliederbeiträgen und Spenden. Damit ist die Finanzierung gesichert. Der Kirchenvorstand  will auf seiner Sitzung Ende Februar 2021 über die Vergabe des Auftrages beraten.

Der Vorstand des Kirch-Bauvereins freut sich, dass die ersten Beschlüsse für die Restaurierung der Fresken nun gefasst sind und hofft, dass die nächsten zügig folgen werden.  Die staatliche Denkmalspflegerin, Frau Dr. Klein, sagte bei einem Ortstermin, dass es nur wenige Kirchen in Südniedersachsen gäbe, die solche Fresken vorweisen könnten. Und diese seien auch von erheblicher künstlerischer Qualität. Das sind Aussagen, die den Vorstand des Kirch-Bauvereins beflügeln, sich weiterhin aktiv für die Restaurierung der Fresken in der Reinhäuser Kirche einzusetzen. Wenn Sie auch dieser Meinung sind – wie wäre es mit einer Spende auf das Konto der Kirch-Bauvereins?   IBAN DE 82 2605 0001 0056 0138 73 Sparkasse Göttingen.  Der Vorstand würde sich sehr freuen.  Ihnen und  Ihrer Familie wünsche ich  viel Gutes für das Neue Jahr 2021 – vor allem Gesundheit.

Herzlich    Henning Behrmann,  Vors. des Kirch-Bauvereins Reinhausen

Swing im Klostergarten

Am Samstagnachmittag standen wir im Klostergarten, den bangen Blick zum Himmel oder auf die Wetter-App gerichtet. „Was sagt Deine App zum Wetter morgen, sollen wir es wagen?“

Wir haben es gewagt. Es hat nicht geregnet, und es war warm geworden. Die Location war äußerst ansprechend hergerichtet mit Tischgruppen, Sitzbänken, Bistrotischen. Schon während des Konzerts konnte man sich mit Getränken und Essbarem versorgen.
Eine ungezwungene, fröhlich Atmosphäre lag über dem Platz. Und ganz schnell hatten die Musiker ihr Publikum erreicht, man sah allenthalben Füße, die mit der Musik wippten, leicht schwingende Oberkörper und nickende Köpfe – Swing eben, dieser leichte, belebende Rhythmus mit seinen unmerklichen Taktverschiebungen, die „ins Blut gehen“.

Kein Wunder, dass die Nazis die Musik für gefährlich hielten und sie verboten. Jugendliche, die sich damals in Swing Clubs trafen, mussten mit Strafen rechnen. Der legendäre Jazz-Gitarrist Coco Schumann, der in verschiedenen KZs inhaftiert war und sie überlebt hat, schreibt in seiner Autobiographie: „Wer den Swing in sich hat, der kann nicht mehr im Gleichschritt marschieren.“

Eine Stunde beschwingte Musik hören – die alten Titel wie „Hello Dolly“, oder den „Basin Street Blues“, oder „Ice cream“ immer wieder neu. Die Zuhörerschaft dankte den Musikern mit starkem Applaus.

Der Vorstand des KBV dankt allen, die diese Veranstaltung vorbereitet haben, und die gespendet haben – im Vorfeld und nach dem Konzert. Ein besonderer Dank geht an die Familie Geries für ihre großartige Gastfreundschaft!
(Henning Behrmann, Vors. des KBV St. Christophorus)

Ausblick auf Vortrag 2020

Im Februar 2020 (genauer Termin folgt) hält Dr. Christian Schade einen Vortrag in der St. Christophoruskirche Reinhausen. Unter dem Titel „Flur- und Straßennamen in der Ortschaft Reinhausen“ gibt er interessante Einblicke auf Reinhausen und belegt sie mit Bildern und Karten.

Wanderung mit Dr. Klaus Grote 2019

2018 hat der Kirch-Bauverein St. Christophorus e.V. zu einer Veranstaltung mit Dr. Klaus Grote eingeladen. Das Interesse war groß. Er wollte zu den „Versteckten Schluchten“ und Abris im Reinhäuser Wald führen. Leider hat uns das Tief „Friederike“ einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Wanderung fiel aus und der Kirch-Bauverein hatte versprochen, die Wanderung im Jahr 2019 nachzuholen.

Leider müssen wir dieses Angebot nun zurückziehen. Herr Dr. Grote steht aus persönlichen Gründen für Exkursionen nicht mehr zur Vefügung. Auf diesem Wege nun noch ein herzliches Dankeschön des Kirch-Bauvereins für die von ihm in den letzten Jahren in Reinhausen und Umgebung angebotenen Wanderungen. Veranstaltungen mit Herrn Dr. Grote waren eine Bereicherung für alle, die Gelegenheit hatten daran teilzunehmen.

Belcanto in Reinhausen

Was tun: Die letzten Sonnenstrahlen des Spätsommers genießen an diesem goldenen Oktobernachmittag des 21.10. – oder doch lieber auf leuchtende Klänge setzen und in die Reinhäuser St. Christophoruskirche gehen? Der Chor Belcanto mit seinem Leiter und Pianisten Torsten Derlin stand auf dem Programm und damit die Vorfreude auf hohe Gesangskunst. Also Kirche!

Und schon beim ersten Stück die Gewissheit: Das war die richtige Entscheidung. Mit „Nada te turbe“, einem meditativen Taizé-Gesang nach Worten der Teresa von Avila, zieht der Chor in die Kirche ein und formiert sich im Altarraum. Dann erklingt, intoniert von zwei Solostimmen und dann vom Chor und der Orgel begleitet, ein Choral von Mendelssohn. Und nun hat Chormitglied Olaf Lesemann den ersten seiner vitalen Auftritte: Er sagt die Stücke an und informiert über Wissenswertes und Kurioses.

Zum Beispiel: Gospel. Das Wort hat sich gebildet aus dem englischen good spell, zu deutsch: Evangelium, gute Nachricht. Wir hören eindringliche Beiträge dieser Gattung, etwa „Joshua fit the battle of Jericho“, grandios interpretiert von einer Solostimme, nur vom Klavier begleitet. Oder „Let my people go“ und „When the saints go marching in“, diesmal vom vollen Chor, mit dem unwiderstehlichen Refrain. Und Karl May hat ein Ave Maria komponiert – auf einen eigenen Text, der in Winnetou III steht. Tatsächlich ein klangschönes Stück, dessen spätromantische Aura der Chor uns nicht vorenthält.

Herausragend auch die Interpretation des 145. Psalms von Heinrich Schütz: Der Chor singt aus den Seitengängen, vorn im Altarraum bleibt eine Solistin und aus dem Wechsel von Einzelgesang und Tutti der beiden Teilchöre ergibt sich eine wunderbare Raumwirkung. Im Exultate Deo des Alessandro Scarlatti wird das Halleluja zum kleinen Ohrwurm, ein fröhlicher, eingängiger Refrain, in den man am liebsten selbst mit einstimmen würde. Und es fehlt nicht eine der wohl größten Kompositionen geistlicher Musik überhaupt, Mozarts Ave verum corpus, ein eindringliches, ergreifendes Stück, das in der makellosen Darbietung die Zuhörer anrührt und verzaubert.

Bei all dem stimmlichen Glanz – es gab auch faszinierende Instrumentalmusik. Die Flötistin Friedgund Göttsche-Niessner spielte mit Torsten Derlin eine Sonate von Johann Joachim Quantz (geboren in Scheden, Flötenlehrer Friedrichs des Großen), deren wiegender langsamer Satz haften blieb. Und Bach? Klingt herrlich, wenn nicht das Cembalo, wie vom Komponisten gedacht, sondern ein Akkordeon die Flöte begleitet. Zu großer Form lief Göttsche-Niessner in ihrem eigenen hochvirtuosen Stück Walpurgis auf, eine Art Konzert für ihr Instrument mit großer Spannweite von der Kantilene bis zu überblasenen, fast gesprochenen Partien, wie man sie, falls man Jethro Tull mag, von Ian Anderson kennt.


Gegen Ende des Konzerts wurde mit Augenzwinkern daran erinnert, dass wir zu einem Benefiz-Abend des Kirchbauvereins zusammengekommen waren. Aus Telemanns Singspiel-Übungen stimmte der Chor eine Arie mit diesem Text an: „Die größte Kunst ist Geld zu machen.“ Gelächter, herzlicher Applaus – ­und danach der tiefe Blick ins Portemonnaie: Dieser herrliche Abend darf ruhig was kosten.

Belcanto verabschiedet sich mit einem Bach-Choral („Der Tag ist hin“) und der schlichten Taizé-Weise „Meine Hoffnung und meine Freude“, in die wir alle mit einstimmen, während der Chor die Kirche wieder verlässt, gemeinsam mit seinem Pianisten Derlin. Sein Klavier spielt indessen ohne ihn weiter – ein kleiner Triumph der Digitaltechnik. Und doch der Gedanke auf dem Heimweg: Kein Chip kommt an gegen die Klangschönheit der menschlichen Stimme. Dem Chor Belcanto sei Dank für sein wunderbares Konzert.
Frank-Michael Wohlers

Chor-Konzert mit Belcanto

Wir hatten geplant, am 17. Juni 2018 zu einem Konzert mit dem „Chor Belcanto“ einzuladen. Da ist uns leider die Weltmeisterschaft dazwischen gekommen, so dass der Termin sang- und klanglos gestrichen wurde. Er wird aber noch stattfinden und zwar im Oktober. Näheres demnächst im Kalender…

Wieder online…

Einigen wird es aufgefallen sein, anderen vielleicht nicht: Unsere Seite war eine Zeitlang nicht online.
Das lag daran, dass wir den Provider gewechselt haben. Eine Aktion, die nicht so einfach war, wie wir uns das zunächst vorgestellt hatten. Mit viel Unterstützung ist uns das dann doch gelungen. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um den Zugang zur Homepage sicherer zu machen. Das lässt sich daran erkennen, dass die unsere Adresse nun mit https beginnt. Nun werden wieder weitere Termine eingetragen und weitere aktuelle Informationen im Logbuch zu finden sein.

Nachlese: Durch Reinhausen mit Klaus Grote (Juni 2017)

Am Samstag, 17. Juni 2017, fand der historische Rundgang durch Reinhausen statt. Ca. 80 Personen, Neubürger, aber auch Alteingesessene, nutzten die Gelegenheit, um mehr über das  „alte“ Reinhausen zu erfahren oder alte Erinnerungen wieder aufleben zu lassen. Der Kreisarchäologe i.R. Klaus Grote begann zunächst damit, uns mehr zur Bedeutung und Nutzung des Thies zu erzählen, an dem dieser Rundgang seinen Anfang nahm. Der Thie war der „weltliche“ Versammlungsort im Dorf. Hier wurde Recht gesprochen und gefeiert.

Die Waldstraße gab nun weitere Gelegenheiten auf Dinge aufmerksam zu machen, die im Alltag nicht mehr wahrgenommen werden. So z. B. die Scheibenkreuze (Sühnekreuze), die am Bielstein aus dem Fels gehauen wurden. Auch die Votivnischen, in die Kerzen und andere Gaben gestellt werden konnten, übersieht man gerne.

Herr Grote zeigte uns Hinter den Höfen einige Felsbereiche, in denen Steinmetze Steine herausgehauen haben. Viele Kirchen in Göttingen sind mit dem Reinhäuser Sandstein erbaut worden. Einen Felsenkeller (es gibt mehrere) in unmittelbarer Nähe der Scheibenkreuze konnten wir besichtigen. Die Keller wurden von den Dorfbewohnern selbst in die Felsen gehauen und dienten zu Zeiten, in denen es noch keine Kühlschränke gab, der Vorratshaltung. Auch heute werden sie noch gern zur Lagerung von Getränken, Lebensmitteln und anderem mehr genutzt.

Die Sandsteintreppen, die sich den Berg hochziehen, sind seit dem Mittelalter in Benutzung. Man sieht ihnen an, dass sie seit Jahrhunderten genutzt werden, um auf ihnen zur Kirche, zum Friedhof und zur Domäne zu laufen. Uns führten sie zu einer gemeinsamen Mahlzeit am Backofen des Regionalen Umweltzentrums (RUZ) auf dem Kirchberg. Es gab leckere türkische Pizza von Frau Kaplan – wirklich ein Geheimtipp!

Herr Grote hatte so viel zu erzählen, dass die Zeit wie im Fluge verging. Wir hoffen sehr, ihn 2018 wieder in Reinhausen begrüßen zu dürfen.

Nachlese: Es muss Freiheit geben – Vortrag von Professor Otte

Am Dienstag, 28. November 2017, war Professor Dr. Hans Otte in der Christophoruskirche mit einem spannenden Vortrag zu Gast. Unter dem Titel „Es muss Freiheit geben – Die Einführung der Reformation im Calenberger Land“ sprach er über die Umwälzungen, die in Wittenberg im Oktober 1517 ihren Anfang genommen und sich auch bei uns in Südniedersachsen ausgebreitet haben.

Professor Otte, langjähriger Leiter des Kirchenarchivs Hannover und profunder Kenner der Kirchenhistorie, stellte zunächst im Überblick die frühen Anliegen der Reformation heraus, darunter die wichtige Forderung der sola scriptura, was bedeutet: Allein die Heilige Schrift und ihr Wortlaut ohne die Interpretation des Klerikers.

Die Volksbildung war für die Reformation von erheblicher Tragweite. Die Menschen sollten unterrichtet werden, damit sie lesen und schreiben konnten. Aus diesem Impuls entsprang auch Luthers Vorhaben der Bibelübersetzung 1521. Es war das Bestreben, jedem Einzelnen die Schrift in seiner eigenen Sprache nahezubringen. Problematisch sind die unterschiedlichen Sprachregionen. Das Mittelhochdeutsch der Leipziger Kanzleisprache wird im Norden (und auch in unseren Breiten, in den damaligen Regionen Calenberg und Grubenhagen) nicht verstanden, deshalb erscheint hier schon 1533 (ein Jahr vor Luthers Komplettübersetzung) eine mittelniederdeutsche Bibel. Sie wird herausgegeben von Johannes Bugenhagen, einem engen Gefolgsmann Luthers, der nach Studien in Wittenberg 1528 in Braunschweig eine niederdeutsche Kirchenordnung verfasst und damit noch im selben Jahr in der Stadt die Reformation begründet.

Hannoveraner im Publikum machten lange Gesichter, als sie hören mussten, dass die heutige Landeshauptstadt zu Beginn des 16. Jahrhunderts eine wenig bedeutende Kleinstadt war. Wichtige Städte der Region waren zu dieser Zeit, wegen ihres Rangs als Handelsplatz, Braunschweig und Goslar. Aber auch das weltliche Geschehen (das naturgemäß mit dem theologischen eng verzahnt ist) schildert Prof. Otte uns farbig und spannend.

Wir hören von politischen Zwistigkeiten in unseren Regionen, wie etwa der Hildesheimer Stiftsfehde in den Jahren 1519 bis 1523 und zugleich vom Anteil der großen Weltpolitik daran, denn mit Kaiser Karl V., dem Habsburger, und Franz I. von Frankreich sind auch damalige Großmächte als Bündnispartner mit involviert. Und Otte stellt uns natürlich Elisabeth von Calenberg vor, die in ihrem Fürstentum in den Jahren 1540–1545 die Reformation durchsetzt.

Bereits 1542 wurde die Calenberger Kirchenordnung für ganz Calenberg-Göttingen verfasst. Schon im Jahr 1528 ist in St. Jacobi in Göttingen lutherisch gepredigt worden, und ein Jahr später, während einer Prozession am 24. August, kam es zu einer Gegendemonstration der Reformationsanhänger, zum großen Teil Wollenweber, die lautstark alle Prozessionsmusik mit Lutherliedern übertönten.

Anton Corvinus, ein weiterer Luther-Vertrauter, wirkte in Goslar, Witzenhausen, Northeim und anderen Orten unserer Region. Die Reformation war nun nicht mehr aufzuhalten. Ein großer Gemeinschaftskelch, der sich als Spende zu Beginn der sich ausbreitenden Reformation an die hannoversche Marktkirche erhalten hat, bezeugt das neue Gemeinschaftserlebnis: Die Teilhabe am Blut Christi gilt nun allen Gläubigen. Zuvor hatten die Laien auf den Wein verzichten müssen, den nahm allein der Prediger für sich am Altar, weshalb die Kelche dieser Zeit klein waren.

Unter dem Bildmaterial, mit dem Prof. Otte seinen Vortrag illustrierte, war ein Cranach-Bild sehr eindrucksvoll: Luther, in der Mitte predigend auf der Kanzel, links von ihm der Höllenschlund, der die Ungläubigen verschlingt, und rechts (mit dem Arm deutet Luther darauf) das Kreuz Christi, unter dem wir gerettet sind. Ein kraftvolles Sinnbild für das, wofür seine Theologie steht.

80 Minuten in freier Rede – ein lebendiger Hörgenuss, für den Professor Otte mit herzlichem Applaus verabschiedet wird.

Frank-Michael Wohlers